Gesa Vertes berichtet über den Trend, das Werkstoffe im Labor wachsen.
Textilien aus Pilzmyzel, Platten aus Algen und Oberflächen aus Bio-Harz: Die Biomaterialien halten Einzug in die Innenarchitektur. Warum diese neuen Werkstoffe mehr als eine Spielerei sind, erklärt die Innenarchitektin Gesa Vertes aus ihrer Beschäftigung mit nachhaltigem Bauen. Sie entstehen aus nachwachsenden oder wiederverwerteten Quellen und belasten die Umwelt deutlich weniger als herkömmliche Stoffe. Zugleich bringen sie eine ganz eigene, lebendige Ästhetik in den Raum. So verbindet sich ökologische Verantwortung mit gestalterischem Reiz.
In der Innenarchitektur zeichnet sich 2026 eine deutliche Hinwendung zu Werkstoffen ab, die aus der Natur stammen oder im Kreislauf gedacht sind. Wie groß das Potenzial dieser Biomaterialien ist, beobachtet Gesa Vertes im Zusammenhang mit dem wachsenden Anspruch an nachhaltiges Gestalten. Gemeint sind Materialien wie Textilien aus Pilzmyzel, recycelte Kunststoffe und Bio-Harze, die aus pflanzlichen Rohstoffen gewonnen werden. Sie ersetzen zunehmend Stoffe, deren Herstellung viele Ressourcen verbraucht und die Umwelt belastet. Dabei geht es nicht allein um Ökologie, sondern auch um eine neue Haptik und um Oberflächen, die Geschichten erzählen. Die Welt des Designs bewegt sich damit weg vom sterilen Minimalismus hin zu Interieurs mit Seele, Geschichte und einer greifbaren Materialität. So wird das Material selbst zu einem Träger von Bedeutung und Charakter.
Was Biomaterialien sind
Der Begriff der Biomaterialien fasst eine ganze Reihe neuer Werkstoffe zusammen. Was sie verbindet und worin sie sich unterscheiden, erklärt Gesa Vertes anhand ihrer Herkunft und ihrer Eigenschaften.
Werkstoffe, die wachsen
Das eigentlich Neue an diesen Materialien ist ihre Entstehung. Viele Biomaterialien wachsen buchstäblich heran, statt aus endlichen Rohstoffen gefertigt zu werden, wie Gesa Vertes hervorhebt. Pilzmyzel etwa bildet in kurzer Zeit ein festes, formbares Geflecht, das sich zu Platten oder lederartigen Oberflächen verarbeiten lässt. Diese Werkstoffe verbrauchen bei ihrer Herstellung wenig Energie und lassen sich am Ende ihres Lebens oft vollständig in den Kreislauf zurückführen. Damit stellen sie eine grundlegend andere Logik dar als die klassische, lineare Produktion.
Pilz, Algen und Bio-Harz im Detail
Die wichtigsten Vertreter dieser Werkstoffgruppe lassen sich klar benennen. Welche Materialien derzeit die größte Aufmerksamkeit erhalten, ordnet Gesa von Vertes anhand ihrer Anwendung ein. Besonders drei Gruppen prägen die Entwicklung:
- Pilzmyzel, das zu Dämmstoffen, Platten und lederähnlichen Textilien verarbeitet wird
- Algen, aus denen sich Biokunststoffe, Textilien und sogar Farbpigmente gewinnen lassen
- Bio-Harze auf pflanzlicher Basis, die synthetische Kunstharze ersetzen können
- Recycelte Kunststoffe, die vorhandenes Material in neue Werkstoffe verwandeln
Diese Vielfalt zeigt, dass Biomaterialien kein einzelnes Produkt, sondern ein ganzes Feld mit unterschiedlichen Stärken sind.
Gesa Vertes über den Reiz des Lebendigen
Biomaterialien überzeugen nicht nur ökologisch, sondern auch ästhetisch. Kürzlich wurde mit Gesa Vertes ein Interview geführt, in dem sie betonte, dass gerade die lebendige, unregelmäßige Oberfläche dieser Werkstoffe ihren besonderen Reiz ausmacht. Anders als perfekt geglättete Industrieprodukte tragen sie sichtbare Strukturen, feine Unregelmäßigkeiten und die Spuren ihrer Entstehung. Dieser natürliche Charakter verleiht einem Raum Wärme und Authentizität. So wird ein Material, das aus der Natur stammt, auch als solches erlebbar.
Der menschliche Fingerabdruck
Ein wichtiger Aspekt dieser Ästhetik ist das Handwerkliche. Warum Designer heute den menschlichen Fingerabdruck schätzen, macht Gesa Sikorszky Vertes an der Rückkehr sichtbarer Handarbeit fest. Unregelmäßige Kanten, spürbare Strukturen und kleine Abweichungen gelten nicht länger als Makel, sondern als Zeichen von Echtheit. In einer Zeit, in der vieles maschinell und makellos gefertigt wird, gewinnt das Unperfekte an Wert. Biomaterialien passen zu dieser Haltung, weil sie das Lebendige und Gewachsene sichtbar machen.
Nachhaltigkeit als Grundhaltung
Vom linearen zum zirkulären Denken
Biomaterialien sind Teil eines größeren Umdenkens im Bauen und Gestalten. Wie sehr sich das Denken vom linearen zum zirkulären Ansatz verschiebt, erklärt Gesa Vertes als entscheidende Entwicklung. Statt Rohstoffe zu verbrauchen und am Ende zu entsorgen, werden Materialien in geschlossenen Kreisläufen gedacht und nach ihrer Nutzung wiederverwendet. Ein Raum wird so gewissermaßen zu einem temporären Lager wertvoller Werkstoffe. Diese Sichtweise verändert die Planung von Grund auf und stellt die Herkunft und die Zukunft jedes Materials in den Mittelpunkt.
Weniger schädliche Stoffe
Ein weiterer Vorteil liegt in der Gesundheit der Räume. Warum schadstoffarme Materialien immer wichtiger werden, betont Gesa Vertes mit Blick auf das Raumklima. Biomaterialien und moderne, schadstoffarme Verfahren tragen dazu bei, dass weniger schädliche Ausdünstungen in die Raumluft gelangen. Gerade in Wohn- und Arbeitsräumen, in denen Menschen viel Zeit verbringen, ist das ein spürbarer Gewinn. So verbindet sich der ökologische Nutzen mit einem unmittelbaren Vorteil für die Bewohner.
Biomaterialien in der Praxis
Bei aller Begeisterung müssen sich die neuen Werkstoffe im Alltag bewähren. Wo Biomaterialien heute schon sinnvoll eingesetzt werden und wo noch Grenzen liegen, ordnet Gesa Vertes aus praktischer Sicht ein.
Wo sich der Einsatz lohnt
Nicht jedes Biomaterial eignet sich für jeden Zweck. In welchen Bereichen die neuen Werkstoffe bereits überzeugen, zeigt Gesa Vertes an konkreten Anwendungen. Dämmstoffe aus Pilzmyzel, Akustikelemente aus nachwachsenden Fasern und Oberflächen aus recycelten Stoffen finden bereits ihren Platz in gestalteten Räumen. Besonders dort, wo Nachhaltigkeit und Ästhetik gleichermaßen gefragt sind, spielen sie ihre Stärken aus. So entsteht ein wachsendes Feld praktischer Möglichkeiten.
Grenzen und offene Fragen
So vielversprechend die Entwicklung ist, sie steht noch am Anfang. Welche Fragen dabei offen bleiben, ordnet Gesa Vertes, geb. Haerder, mit gebotener Nüchternheit ein. Verfügbarkeit, Haltbarkeit und Preis sind bei manchen Biomaterialien noch nicht mit etablierten Werkstoffen vergleichbar. Auch fehlen teils langjährige Erfahrungen mit ihrem Verhalten über die Zeit. Ein ehrlicher Umgang mit diesen Grenzen gehört daher zu einer verantwortungsvollen Planung.
Worauf es bei der Auswahl ankommt
Die Wahl des richtigen Materials will gut überlegt sein. Worauf Bauherren und Gestalter achten sollten, fasst Gesa Haerder in einigen Grundsätzen zusammen. Wichtig sind dabei mehrere Punkte:
- Die tatsächliche Herkunft und Ökobilanz des Materials prüfen
- Auf Haltbarkeit und Pflegeaufwand im geplanten Einsatzbereich achten
- Transparente Angaben der Hersteller zu Produktion und Inhaltsstoffen einfordern
- Ästhetik und Funktion gemeinsam betrachten, nicht nur den ökologischen Aspekt
Diese Grundsätze helfen, aus der Vielfalt der Biomaterialien das passende auszuwählen.
Wenn Material zum Versprechen wird
Die Biomaterialien zeigen, dass Innenarchitektur und Ökologie längst keine Gegensätze mehr sind. Werkstoffe, die wachsen, sich zurückführen lassen und dabei eine lebendige Ästhetik mitbringen, eröffnen der Gestaltung völlig neue Wege. Noch stehen viele dieser Materialien am Anfang, doch ihr Potenzial für ein nachhaltigeres und zugleich schöneres Wohnen ist beträchtlich. In dieser Verbindung aus Verantwortung und Sinnlichkeit sieht Gesa Vertes eine der spannendsten Richtungen für die Zukunft des Raums.







